Visumlos vom Balkan in die EU
Erstellt von Kuro Sawai am Samstag 19. Dezember 2009
Seit 19. Dezember dürfen nun Serben, Mazedonier und Montenegriner ohne Visum bis zu 90 Tage in die EU einreisen. Bei Albaniern, Kosovaren und Bosniern bleibt es wie gehabt. Denn diese Staaten schafften es nicht, “fälschungssichere” Pässe einzuführen und weitere EU-Bedingungen zu erfüllen. Wohin wird das alles führen?
Die neue Reisefreiheit wurde in den drei Ländern in der Nacht mit Gratis-Konzerten bekannter Pop-Künstler und Feuerwerken groß gefeiert. Um Mitternacht starteten einige Sonderflüge mit ersten Nutzern der bürokratiefreieren Mobilitität gen Brüssel und Rom. Die Wohlhabenden und “Elite”-Angehörigen in diesen drei Ländern fühlen sich der EU einen großen Schritt näher gerückt.
Zoltán Martinusz vom EU-Ministerrat vertrat gegenüber der Deutschen Welle, er gehe davon aus, dass Bosnien-Herzegowina und Albanien schon im nächsten Jahr die nämliche Visabefreiung erhalten könnten. “Wir wissen es noch nicht sicher. Aber als Ergebnis der EU-Bedingungen zeichnet sich jetzt eine Entwicklung ab.
Der prowestliche serbische Staatspräsident Boris Tadic wird zu diesem “Fall der Schengener Mauer” nach 18 Jahren häufig zitiert: Eine Generation, die nur innerserbische Städte und Verhältnisse aus eigener Anschauung kenne, habe keine hinreichenden Gründe, Serbien voranzubringen.
Dem ist überhaupt nicht zustimmen. So wunderbar Reisefreiheit für die Betroffenenen sich anfühlt, sie ist ganz bestimmt kein Motivations-Zaubermittel, um binnenökonomisch in Serbien eine selbsttragende Aufbruchsstimmung auszulösen. Es sind eher mehr Flucht-Möglichkeiten – raus aus unerträglich verkrusteten und korrupten serbischen Rahmenbedingungen, die sich da auftun.
Der “Aufbruch” könnte daher leicht zu einem verstärkten Exodus der Jungen und Qualifizierten ausarten. Serbien und ähnlich die anderen beiden Länder ständen am Ende schlechter da als jetzt. Die Schaffung erträglicher, gar guter Lebensverhältnisse im eigenen Land versprechen Politiker bei jeder Gelegenheit. Niemand glaubt ihnen mehr, die “Nichtwähler” sind längst die größte Partei.
Die Demokratie – nicht nur auf dem Balkan – ist ziemlich in der Krise. So wenig können wir die falschen Versprechungen ihrer Repräsentanten noch ernst nehmen. Allerdings: Reisefreiheit ist besser als keine!
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Dienstag 22. Dezember 2009 um 01:32
was für ein quatsch!
Dienstag 22. Dezember 2009 um 14:01
Aufforderung zur Debatte! Mit dieser Klissenbauer-Form der Kritik, die eher eine Beschimpfung ist, kann ich nichts anfangen. Normalerweise lösche ich sowas. Ich mache hier mal versuchsweise eine Ausnahme. Wer handfeste Argumente hat, möge sie vorbringen. Darauf werde ich entsprechend antworten.
Mittwoch 23. Dezember 2009 um 22:22
Die Abwanderung der Cleveren und Ehrgeizigen findet im gesamten Europa statt. Aus vielen Staaten Europas gehen die Menschen weg, in wenige andere europäische Länder oder ganz aus Europa fort.
Die Schweizer und Österreicher sind ja z.B. nicht so glücklich darüber, Einwanderungsländer zu sein.
Unser Land hat sich sehr schnell zum Auswanderungsland gemausert.
Es geht die Schicht weg, welche dringend benötigt wird, doch die Rahmenbedingungen werden immer enger für die Mitte.
Diese Entwicklung haben andere Länder Europs noch vor sich.
Es müssen sich dringend neue Märkte und Bewegungen entwickeln, damit das Spiel noch weitergehen kann. Aufbauen, Aufblasen, Abgrasen, Gewinn einstreichen.
Das trifft uns, die Serben, die Italiener, die Engländer.
Politische Grenzöffnungen stehen ja in engem Bezug zur Wirtschaft und Finanz und lösen die Kausalkette aus bis ans Ende.
Schön gerade bei uns zu beobachten – ein Lehrstück der Entwicklung nach 20 Jahren Reisefreiheit und Mauerfall.
Nun sagt man dem Balkan mehr Temperament und ein anderes Verständnis von Recht und Zucht und Ordnung nach als es unseren ´´Wert´´Vorstellungen entspricht.
Daher rührt die Angst.
Die neu Dazukommenden, welche sich nun aufmachen, haben hungrige, wache Augen und eisernen Willen, zu etwas zu kommen.
Unsere Menschen haben trübe Augen, krumme Schultern, einen ausweichenden Blick und erwarten stündlich die nächste Ohrfeige oder das nächste gestellte Bein von oben.
Momo – M. Ende – Die grauen Herren
“Und wo kommen sie her?” will Momo weiter wissen. “Sie entstehen, weil die Menschen ihnen die Möglichkeit geben, zu entstehen. Das genügt schon, damit es geschieht. Und nun geben die Menschen ihnen auch noch die Möglichkeit, sie zu beherrschen. Und auch das genügt, damit es geschehen kann.”
Reisefreiheit ist besser als keine. Untertrieben, denn sie kann Alles sein und Alles bedeuten.
So wie sich auch hier Viele aufmachen, um dem zu entgehen, was Ende beschreibt, und um ein selbstbestimmteres Leben woanders zu beginnen.
Sich die Rahmenbedingungen auszusuchen, die am ehesten zu der eigenen Person passen.
Ob eine staatenumfassende Kontrolle entstehen wird, um diesem kreativen Chaos eine DIN-Norm zu verpassen, nach der man letztendlich zu leben hat, darüber zerbrechen sich Etliche den Kopf.
Allen wünsche ich besinnliche Tage, Gesundheit und Frohsinn im Herzen – morgen ist Weihnachten.
Montag 28. Dezember 2009 um 10:09
@Senta
Sehr eingehend und anregend! Kommentare von dieser Qualität wünschte man sich so häufig wie irgend möglich!
Inhaltlich stimme ich ganz überwiegend zu.
Über das Überwiegen der Auswanderung aus dem Deutschland der Gegenwart muss ich demnächst mal nachrecherchieren und was schreiben. Gehört hatte ich davon schon, aber nichts Genaueres.