Lauffeuer von Wien bis Marburg?
Erstellt von Kuro Sawai am Mittwoch 4. November 2009
Die diesmal in Österreich flächengreifend entzündete Protestbewegung der Studierenden sucht sich nach Deutschland auszubreiten. Die lausigen Studienbedingungen sind sicher ähnlich vorhanden. Gründe zum Protest gäbe es zuhauf. Aber ob auch die Lust zu aufständischem Engagement neu entflammbar sein wird?
Erst im Juni 2009 gab es in Deutschland zuletzt Bildungsstreik-Aktionstage. Der Frühsommer lädt ohnehin ein, draußen zu sein. Dennoch waren trotz Sympathien die Teilnehmerzahlen der “Studi-Proteste” nicht berauschend. Eine “kritische Masse” war nur schwer zu erreichen. “Bologna” heißt auch vervielfachter Prüfungs-Stress.
Doch da internationale Beispiele – angeblich auch aus Japan und den USA – inspirierend wirken, beginnt sich auch in Deutschland was zu regen. Am Dienstag (3. Nov.) wurden zwei Hörsäle der Uni Heidelberg besetzt. Eine Live-Schaltung mit dem besetzten Wiener Audimax hatte für eine Aufbruchstimmung gesorgt, steht auf ihrer Webpräsenz. Mit CARTA.info berichtete ein führendes Blog.
Heute zogen Studiende der Uni Münster nach. Von dort gibt es auch einen Livestream: http://www.ustream.tv/channel/muensterbrennt. Auf der Info-Website gibt es auch Fotos und einen improvisierten Forderungs-Katalog. Das Hauptanliegen lautet demgemäß: “Wir fordern den Stop der Ökonomisierung von Bildung!”
Das zielt – so interpretiere ich das – auf die Wieder-Abschaffung des in seinen Erscheinungen und Resultaten (hohe Verschulung, viel zuwenig dafür benötigtes Lehr-Personal, Prüf- und Studiendauer-Druck erlaubt keine Auslandssemester mehr, Forschung nur noch vermittels “Drittmittel” der Industrie finanzierbar … ) zweifelhaften Bologna-Prozesses.
Nunmehr ebenso an der Uni Potsdam wurde das Audimax besetzt.
Auch an der Universität Marburg ist für Donnerstag (5. Nov.) eine Studi-VV (Vollversammlung) im AudiMax einberufen. Mal sehen, was sich da noch entwickelt. Es gibt auch eine umbenannte Heidelberger Bildungsstreik- Seite.
Update (5. Nov. abends): Marburger Audimax besetzt von rund hundert Aktivisten. Die Uni-Leitung hat signalisiert, dass sie vorerst friedlich bleibt und die Aktion duldet. Die Lokalzeitung OP hat eine Online-Umfrage aufgelegt mit der Frage, ob die Besetzung sinnvoll sei. ( http://bit.ly/3KI79B ) Der Zwischenstand bei 173 abgegebenen Stimmen ist positiv.
148 Stimmen, das entspricht 86 Prozent, halten die Aktionen für berechtigt und gut. Lediglich 14 sagen, die Blockade-Aktionen und Streiks seien nicht gerechtfertigt (8 Prozent). 11 Leute optierten für die Meinung, das ändere doch alles nichts (6 Prozent).
Update (8. Nov.): Die Marburger AudiMax-Besetzung ist nach einem dreiviertel Tag am Freitag-Nachmittag abgebrochen wurden. Konfrontiert mit der plötzlichen Rücknahme der Duldungs-Zusage seitens der Uni-Leitung und einer unmittelbar drohenden gewaltsamen Räumung, zogen die Marburger Bildungsstreik-Aktivisten es vor, freiwillig vor der Gewalt zu weichen. Gegen 15:30 Uhr verließen sie gemeinsam das Hörsaalgebäude. Auf Flickr gibt es dazu eine Fotostrecke.
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Freitag 6. November 2009 um 14:40
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