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Phänomene der Selbstkritik

Erstellt von Kuro Sawai am Montag 3. August 2009

Wer glaubt, wird selig (12)

“Die Selbstkritik hat viel für sich …” dichtete weiland im 19. Jahrhundert der “Vater der Comics” Wilhelm Busch und hatte (Un-)Recht. Denn gemessen an den Sonntagsreden ist das Jedermanns moralischer Gemeinplatz, eine Binse.

Gemessen an der Alltagspraxis findet Selbstkritik natürlich vorwiegend im Stillen statt, nicht im öffentlichen, lauten Ton. Wer möchte sich schon freiwillig zum Schaden noch den Spott aufhalsen?

Die bekanntesten Ausformungen sind a) der Gang nach Canossa b) das Relaunching einer gescheiterten Geschäftspraxis unter neuem Namen und c) das Verhalten eines Götz von Berlichingen, laut Goethe ein Mann ohne Schuldbewußtsein.

Anzumerken bei der Rubrik (a): Wer wagt schon, einen Kaiser laut zu schmähen, ohne Gewalt zu fürchten. Daher wenig Risiko, dass weithin öffentliche Kritik passierte, damals. Die Kleinen hängt man, die Großen kriegen auch heute einen Deal.

Bei (b) fällt den Zeitgenossen doch sofort Karstadt-Quelle ein, das nun Arcandor heißt und trotzdem bankrott ist. Oder die Ruiniererin des deutschen Staatswohlstands (100 Mrd.), die Hypo Real Estate Bank (HRE), die nun ebenfalls neu Deutsche Pfandbriefbank AG heißt.

Und auch zu (c) gibt es eine solche Fülle von Beispielen, dass man sich die Augenfälligsten heraussuche: den EX-IKB-Chef Ortseifen z.B. und “seine” Dienst-Villa.  Und unvergessen: Ex-HRE-Chef Georg Funke, der gerichtlich sein Millionengehalt einzuklagen unternimmt – Milliarden-Mildtätigkeiten vom Staat schnurzpiep egal.

Die anrüchige Chose um die Millionen-Boni für den “erfolgreichen” HSH Nordbank-Chef Nonnenmacher wurde angesichts der anhaltenden Empörung von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Carstensen dann doch kosmetisch nachträglich gebessert mit einem herzensrührenden “ehrlichen Appell”.

Er möchte doch lieber wie ein Canossa-Typ rüberkommen. Sein “Herr im Haus”-Rambo gegen SPD-Minister, denen er kurz zuvor noch großartige Zusammenarbeit attestierte, spricht aber eine klare Sprache für die Rubrik (c), keiner Schuld bewusst.

Helmut Kohls weithin bewundertes Modell des Aussitzens hat viele “Jünger” zur Nachfolge bewegt. Merke: man muss nur an sich selber glauben, dann wird’s schon gutgehen.  Genau das dachten die Herren Mehdorn und Zumwinkel auch lange Zeit.

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